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Neues aus Charagua

Phil 4,4: Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch!

Liebe Geschwister,

wir sind sehr dankbar, dass ihr an uns in euren Gebeten denkt und möchten euch an der Auswirkung der Gebete teilhaben lassen und daran, wie wir Gottes Wirken erleben.

Wir sind dem Herrn dankbar, dass er uns eine sehr breite Tür unter den Altkoloniern aufgemacht hat. Auch zu den Einheimischen durften wir Kontakte aufbauen und es gäbe über einige interessante Missionsdienste zu berichten.

Die Altkolonier zeigen großes Vertrauen und freuen sich sehr über die ihnen erwiesene medizinische Hilfe. Trotz spärlicher Einrichtung durfte doch manch einer mit Freude von uns weggehen. Was uns sehr freut, sind die Gespräche auf dem geistlichen Gebiet. Viele von ihnen sind in Sünde versunken und sehnen sich nach Hilfe. Sie sind zwar in ihrer Gemeinde, sind aber im Rauchen, Trinken und vielen anderen Sünden verstrickt.

Viele sind gefangen in den Strukturen ihres Lebens und weil sie keine Ausbildung und keine Möglichkeit haben, anders zu leben, quälen sie sich. Obwohl sie in ihrer Gemeinde sind, leben sie doch ohne Gott. Sie sind nur sehr schwer zugänglich. Und doch öffnen sich ihre Herzen, wenn sie Liebe und Zuneigung erfahren. So ist der Weg über die medizinische Hilfe ein sehr gutes Mittel, an ihre Herzen zu gelangen. Ihr Wissensstand ist im Allgemeinen sehr gering. Einzelheiten hier zu erzählen, würde den Rahmen sprengen.

Wenn jemand zu uns kommt, um über seine seelische Not zu sprechen, so dürfen es die anderen in keinem Fall erfahren. Wenn sie die Bibel lesen, dürfen sie davon gar nicht reden. Aber uns öffnen sie sich.

Eines Abends waren wir unterwegs und es hat mich gemahnt, eine Familie zu besuchen. Als ich dahin kam, hat der Mann einen Moment abgewartet, wo er mich alleine sprechen konnte. Und er erzählte mir, dass er mich gesucht hat. Er sagte: „Ich habe dich gesucht, weil ich große innere Nöte habe. Ich wollte bei der nächsten Gelegenheit an mich Hand anlegen, morgen, wenn die anderen Mitglieder in der Kirche sein werden.“ Er war sehr dankbar für den Besuch. Wir haben uns noch unterhalten, gebetet und sind wieder gefahren. So konnte dieses Haus, Gott sei Dank, vor einer schlimmen Tat bewahrt bleiben. Wie dankbar war ich, dass ich der Mahnung gefolgt war.

Ein Familienvater berichtete mir, dass sie die Bibel lesen. Ich fragte ihn, wie weit seine Frau in dieser Frage wäre. „Genau so weit wie ich“, berichtete er mit Freuden. Er versteht kein Hochdeutsch, die Frau jedoch möchte lieber Hochdeutsch lesen. Eines Abends, es war ziemlich spät, tauchte er vor unserer Haustür auf, wobei noch viele andere Altkolonier auf medizinische Hilfe warteten. Er berichtete mir, er wäre mit seiner Frau hier und sie warteten abseits. Ich bat ihn sich fernzuhalten, bis die Leute entlassen wurden. Danach kamen sie ungefähr eine Stunde später und wir hatten eine kurze Gemeinschaft.

Ein anderer berichtete mir, als wir mit seinem kranken Vater zu tun hatten, er hätte sich mit noch einigen getroffen, von denen ich wusste, dass sie bekehrt sind. Wir besuchten diese Familie zuhause und es ergab sich ein Gespräch, bei dem sie uns über ihre Bekehrung berichteten.

Liebe Geschwister, es sind unaussprechliche Freuden, miterleben zu können, wie Gott wirkt. Und das bewirken die Gebete.

Ihre Prediger berichten mir eine andere Sichtweise: Es gäbe in jeder Gemeinde welche, die nicht treu sind. Sie haben ein verzerrtes Bild von dem, was Gott von ihnen haben möchte. Sie glauben, die Errettung ist ganz schwer zu erwerben. Und die Heilsgewissheit darf man nie haben. Uns als Familie erfasst ein tiefes Mitleid mit diesen lieben Seelen, die es ernst meinen und doch einen Irrweg gehen. Es gibt hier so viele liebe Menschen, die wir schon kennen lernen durften, die für Jesus zu gewinnen sind. Doch der Weg zu ihren Herzen ist sehr verbaut und voreingenommen. Mit etlichen Familien durfen wir schon zusammen Lieder singen. Ihnen gefällt unser Gesang, weil sie eine Gesangsart haben, die wirklich aus dem Mittelalter stammt. Sie benutzen die „lange Wies“ wie sie es sagen. Dabei wird jedes Wort sehr lang gezogen und es ist nicht zu verstehen, was gesungen wird. Aber sie sagen, dass sie unseren Gesang von ihren Vorfahren her kennen.

Wenn ich auf medizinischer Ebene in Häuser gelange, wo ich sonst nicht reingekommen wäre, öffnet sich mir oft ein Bild von tiefer Armut und Jammer – von einem Kampf ums Überleben! Von einer äußeren und inneren Not.

Wir sind Gott dankbar, dass er uns einen Weg zu diesen Herzen geschenkt hat und wir schon ganz viele von ihnen näher kennenlernen durften. Jetzt fangen sie an, uns zu sich nach Hause einzuladen, und so wächst das Vertrauen. Es ist schier unmöglich, den Ansturm der Arbeit zu bewältigen und wir versuchen, was in unseren Kräften steht. Und doch würde dieses Arbeitsfeld keine schnellen Schritte vertragen.

Ihr Lebensrhythmus ist ein sehr langsamer. Was für uns sehr langwierig wäre, ist für sie normal. Mit dem Pferdewagen zu fahren ist die schnellste Art sich fortzubewegen. Und so langsam ist ihr Leben und Denken. Es geschehen auch viele Unfälle, wenn ihre Pferde zum Beispiel Angst bekommen und vom Weg gerissen werden. Sie leben ein Leben der früheren Zeit und sind völlig verirrt in geistlichen Fragen. Sie sagen, sie haben Angst, vor dem „ANDERS“ werden.  Und es stimmt, das merkt man ihnen an. Sie sind so tief verwurzelt in dem Leben und den Bräuchen, in denen sie aufgewachsen sind. Und doch gibt es viele, die langsam erkennen und es auch sagen, dass es nicht richtig ist, wie sie leben.

Nun paar Worte zur allgemeinen Lage. Das vierte Jahr gab es keine Ernte. Jetzt gehen auch die Futterreserven bei denen aus, die bis jetzt (wie die Jahre zuvor) noch immer etwas Futter zu verkaufen hatten. Etliche taten Gutes, indem sie für wenig Geld Futter an ihre Mitmenschen verkauften. Aber jetzt gehen diese Reserven aus. Viele Menschen sind tief verschuldet und haben wenig Hoffnung, die Schulden irgendwann abzuzahlen.

Diejenigen, die Möglichkeit haben, kaufen Futter von weit her und holen es mit Pferden. Im Moment kämpfen viele ums blanke Überleben. Sie können sich auch ein Krankenhausbesuch nicht mehr leisten. Zum Beispiel dieses Kind, welches ins Feuer gefallen war.

Uns als Familie geht es sowohl leiblich als auch geistlich gut. Gott sorgt für beides, Ihm die Ehre dafür! Die Kinder haben vormittags zuhause deutsche Schule und es klappt auch ganz gut. Im Haus, in dem wir wohnen, ist auch etliches weitergekommen und so spielt sich langsam alles ein. Auch merken wir, das es langsam kühler wird, es ist nicht mehr ganz so heiß wie im Dezember und Januar. Die Durchschnittstemperaturen liegen jetzt nur noch bei ca. 30°C. Doch zurzeit haben wir Regenzeit und wenn es regnet, dann oft kräftig. Manchmal sackt irgendwo eine Straße ab.

Oftmals besuchen wir die Kolonien für einen ganzen Tag, damit sie nicht so weit zu uns fahren brauchen, weil es ihnen viel Geld kostet.

Nun möge Gott ihnen Gnade schenken, Ihn, den Gott der Bibel in Wahrheit zu erkennen und seinen Sohn Jesus Christus als ihren persönlichen Retter anzunehmen. Unsere Aufgabe ist, ihnen Jesus Christus groß zu machen. Doch dürfen wir es nicht mit Worten tun und so bleibt uns eine Tat der Liebe übrig.

Möge Gott euch dort und uns hier für diese Aufgabe gebrauchen.

Mit lieben herzliche Grüßen

Johann & Elly mit Kindern.